2. Facts & Figures zu CSR

Kurzfassung

2.1. CSR in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)

Die meisten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wirtschaften bereits verantwortlich gegenüber Umwelt und Anspruchsgruppen (Stakeholdern). Diese Selbstverpflichtung nehmen KMU in der Regel als so selbstverständlich wahr, dass sie nur selten mit neuartigen Begriffen wie Corporate Social Responsibility (CSR) oder Corporate Citizenship beschrieben wird. Das Thema CSR hat sich deshalb zunächst in den Strategieabteilungen großer Unternehmen ausgeprägt. Allerdings erkennt eine zunehmende Anzahl von KMU den strategischen Erfolgsfaktor von CSR. Diese Tendenz deutet auf eine künftig noch wesentlich breitere Etablierung von CSR in Wirtschaft und Gesellschaft hin. Denn in der Europäischen Union weisen KMU mit einer Anzahl von rund 23 Millionen Unternehmen und 75 Millionen Arbeitsplätzen etwa 99 Prozent der wirtschaftlichen Betriebe aus.

Kurzfassung

2.2. CSR aus Sicht von global agierenden Unternehmen („Global Players“)

In einer der größten Umfragen zu Nachhaltigkeit unter Top-Führungskräften schätzen CEOs (Chief Executive Officers), dass innerhalb eines Jahrzehnts ein Wendepunkt erreicht sein könne, bei dem Nachhaltigkeit vollständig mit dem Kerngeschäft des Unternehmens verzahnt sei – mit seinen Prozessen, Systemen und Fähigkeiten, wie auch in der gesamten globalen Liefer- und Wertschöpfungskette und den Tochtergesellschaften.

Kurzfassung

2.3. CSR aus Sicht der Unternehmenskommunikation

Drei von vier Kommunikationsfachkräften in der Europäischen Union sind in CSR-Aktivitäten involviert. Sie können damit als diejenige Berufsgruppe eingeschätzt werden, die am engsten mit CSR in Berührung steht. Als Instrument zur Kommunikation von CSR setzen Unternehmen vor allem auf das Internet. Rund drei Viertel von weltweit untersuchten Unternehmen behandeln CSR-Themen auf ihren Webseiten.

Kurzfassung

2.4. CSR aus Sicht von Konsumenten

Konsumenten wollen mehr denn je, dass sich Unternehmen und Marken sozial engagieren. Die Mehrzahl der Verbraucher (62% in 2008 und 71% in 2009) ist der Ansicht, dass zu viel Geld in Werbung und Marketing investiert wird und fordert, stattdessen mehr für gute Zwecke auszugeben. So würden zwei von drei Personen eine Marke wechseln, wenn mit einem anderen Produkt, bei vergleichbarer Qualität, zusätzlich soziales Engagement verbunden ist.

Kurzfassung

2.5. CSR aus Sicht von Berufseinsteigern

Für durchschnittlich mehr als die Hälfte der weltweit befragten Studenten und Berufseinsteigern spielt die Klima- und Umweltpolitik eines Unternehmens (58%) eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber. Nahezu neun von zehn Befragten (86%) äußern die Bereitschaft zum Stellenwechsel, sofern die CSR eines Arbeitgebers nicht ihren Erwartungen entspricht.

Die größten Herausforderungen der Welt an eine nachhaltige Entwicklung schlüsselt eine Umfrage unter jungen Menschen in Deutschland auf. An erster Stelle nennen 75% der Befragten Armut, gefolgt von Klimawandel (73%) und Mangel an Nahrung und Trinkwasser in vielen Ländern der Welt (70%). Die Befragten fordern einen gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozess vor allem durch langfristige Strategien in der Politik (80%,), stärkeres gesellschaftliches Engagement in der Wirtschaft (78%,) und weltweit gültige Grundregeln etwa bei Sozial- und Umweltstandards (74%).

Kurzfassung

2.6. CSR und der Business Case

Der Business Case basiert auf einer Kosten-Nutzen-Relation. Er bezeichnet in der Betriebswirtschaftslehre die Abwägung und Darstellung der prognostizierten finanziellen und nichtfinanziellen Konsequenzen einer Handlung, Entscheidung oder Investition eines Betriebes. Ziel ist es, die knappen Ressourcen von Unternehmen auf die erfolgversprechendsten Projekte bzw. Initiativen zu verwenden. Bei Corporate Social Responsibility (CSR) ist der Business Case entsprechend der individuellen CSR-Anforderungen und -Maßnahmen jeweils im Einzelfall zu bewerten.

Kurzfassung

2.7. Einblicke zur CSR-Situation in Deutschland

In Deutschland gehört die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen zu den Grundelementen der "Sozialen Marktwirtschaft", dem Leitprinzip der deutschen Wirtschaftsordnung. Corporate Social Responsibility (CSR) setzt dabei im internationalen Vergleich auf einem hohen Niveau auf. Gesetzliche Sozial- und Umweltstandards und Tarifverträge sind in Deutschland umfangreich geregelt. "Echte" CSR-Aktivitäten von Unternehmen gehen per Definition jedoch über diese rechtliche Anforderungen hinaus. Unternehmen tragen vor diesem Hintergrund ein hohes Ausmaß an rechtlich geregelter Verantwortung, nicht zuletzt auch verbunden mit einem entsprechend bürokratischen Aufwand. Die Wirtschaft in Deutschland ist durch ihren beachtlichen Anteil an Exporten geprägt und wird umgangssprachlich auch als „Exportweltmeister“ bezeichnet. Den dafür etablierten Begriff „Made in Germany“ will die Bundesregierung künftig in „CSR – Made in Germany“ umbenennen. CSR soll als Standortfaktor für die nationale Wirtschaft etabliert werden.

Kurzfassung

2.8. Einblicke zur CSR-Situation in Ungarn

In Ungarn hat die Bedeutung von Corporate Social Responsibility (CSR) seit dem EU-Beitritt im Jahr 2004 beachtlich zugenommen. Diese Entwicklung geht stark auf multinationale Unternehmen zurück, die CSR verstärkt länderübergreifend umsetzen. Mit dem wachsenden Anspruch an eine Implementierung von CSR in Unternehmenspolitik, Unternehmenswerten, Verfahrensweisen, Mitarbeiterprogrammen und Berichterstattung in allen Konzerngesellschaften, steigt auch die Bekanntheit des Konzepts in Ungarn. Allerdings ist die öffentliche Wahrnehmung von CSR bislang wenig entwickelt. Der Dialog und die Kooperationsbereitschaft zwischen Unternehmen, Zivilgesellschaft und staatlichen Institutionen bedürfen einer noch stärkeren Zunahme an Vertrauen und Transparenz. Problematisch ist vor allem die in Ungarn vorherrschende Ansicht, dass CSR für Unternehmen lediglich kostspielig sei und sich gegen unternehmerischen Erfolg richte.

Kurzfassung

2.9. Einblicke zur CSR-Situation in Portugal

In Portugal hat der Europäische Rat im Jahr 2000 seine Ziele zur wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Erneuerung der Europäischen Union vorgestellt. Diese „Lissabon-Strategie“ gab den Anstoß für zahlreiche portugiesische Organisationen, sich dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) näher zu widmen. Dabei hat CSR in der jüngsten Vergangenheit vor allem bei den Großunternehmen einen deutlichen Aufschwung erfahren. Unter den 100 umsatzstärksten Unternehmen in Portugal wies im Jahr 2006 zunächst jedes zehnte Unternehmen eine Berichterstattung zu CSR und Nachhaltigkeit auf. Allein in den beiden folgenden Jahren ist diese Quote im Finanzsektor auf 60 % angestiegen. Große Unternehmen mit besonders hohen Umweltauswirkungen berichteten im Jahr 2008 bereits zur Hälfte über ihre Performance in Nachhaltigkeitsfragen.

Kurzfassung

2.10. Einblicke zur CSR-Situation in Großbritannien

In Großbritannien ist Corporate Social Responsibility (CSR) eng mit dem Modell des „angelsächsischen Kapitalismus“ verbunden. Seit der Privatisierung von Finanzwesen und öffentlichen Versorgungsunternehmen in den 1980er Jahren, haben sich britische Unternehmen mit ihrer Eigenverantwortung über gesetzliche Vorschriften hinaus beschäftigt. Großbritannien ist weltweit einer der Vorreiter für CSR und den CSR-Entwicklungen der meisten EU-Ländern um Jahre voraus. CSR ist in Großbritannien mittlerweile ein Wettbewerbsfaktor geworden, was das Benchmarking guter Unternehmenspraktiken betrifft. Auf politischer Ebene arbeiten die Akteure übergreifend in Sozial-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik zusammen und forcieren in erster Linie den Business Case von CSR.